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Berufswahlbüro macht Schüler fit für das Arbeitsleben
Es ist soweit: Ein Berufswahlbüro an der Ahnatal-Schule in Vellmar ist eingerichtet und kann ab sofort von Schülern, Unternehmern, Vertretern von Wirtschaftsverbänden sowie Arbeitsagenturen genutzt werden. Das Leitprojekt der Initiative zur Verbesserung der Ausbildungsreife und Vertiefung der Berufsorientierung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel hat das Ziel, den Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung nachhaltig zu verbessern. „Alle Maßnahmen sind komplementär zu den bestehenden, die in unterschiedlicher Intensität bereits in Partnerschaft von Schulen und Unternehmen etabliert worden sind“, berichtet Claus-Peter Hartmann, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses der Region Kassel, in dem sich Unternehmer aus Stadt und Landkreis ehrenamtlich engagieren. Die Aufgaben des Büros werden durch die BuntStift GmbH Kassel wahrgenommen: Koordinatorin ist Annette Westermann.
In den Berufswahlbüros sollen insbesondere Praktikerteams aus Ausbildern und Auszubildenden die jungen Menschen beraten sowie Betriebspraktika vermitteln. „Wir wollen im mehrfachen Sinne des Wortes einen Raum schaffen, der von allen Akteuren, die sich für die Verbesserung der Ausbildungsreife und der Berufsorientierung einsetzen, genutzt werden kann“, erklärt Hartmann, Geschäftsführer der Heinrich Lamparter Stahlbau GmbH & Co. KG in Kaufungen. „Über viele Gespräche mit den Schulen, den Unternehmen, den Arbeitsagenturen und den Unternehmerverbänden wissen wir, dass wir mit dieser Rahmeninfrastruktur auch die bereits laufenden Initiativen stärken.“
Das Berufswahlbüro ist sowohl ein physischer Raum als auch eine Dachmarke für ein Orientierungskonzept für Schülerinnen und Schüler mit Blick auf ihren beruflichen Weg. Das Büro selbst befindet sich an einer zentralen Stelle innerhalb der Schule. Das Besondere des Berufswahlbüros ist, dass nun eine Plattform gebildet wird für Schüler, Lehrer und Partner aus der Wirtschaft – mit dem Ziel, die Schüler mit Blick auf ihre Berufsorientierung zu beraten sowie gemeinsame Maßnahmen wie Projektwochen, Betriebserkundungen und Praktika zu vereinbaren. Bei Bedarf werden auch Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungsreife eingeleitet.
Das Leitprojekt Berufswahlbüro nimmt damit auch eine zentrale Koordinierungsfunktion bei den bereits angelaufenen OloV-Maßnahmen (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit bei der Schaffung und Besetzung von Ausbildungsplätzen in Hessen, kurz: OloV) wahr und fügt sich in die hessenweite Strategie ein. „Entscheidend ist, dass sich möglichst viele Akteure wie Arbeitsagenturen und Arbeitgeberverbände einbringen, damit eine große Angebotsvielfalt entsteht und das Büro eine wirkliche Drehscheibe wird“, unterstreicht Hartmann. Die regionalen OloV-Koordinatoren haben gegenüber der IHK einmütig festgestellt, dass bestehende Maßnahmen ausgebaut und um neue Instrumente ergänzt werden sollten, und dass vor allem – in Partnerschaft mit den Schulen – verlässliche und gut funktionierende Netzwerke der Beratung und Hilfestellung eingerichtet und effizient geführt werden sollten.
Die Agentur für Arbeit Kassel übernimmt eine fachliche Partnerschaft im Berufswahlbüro. Friedhelm Holl, Bereichsleiter bei der Agentur und zuständig für die Berufsberatung, nennt die Ziele: „Mehr Ausbildungsreife und die Kompetenz zur zielorientierten Berufswahl für möglichst alle Schülerinnen und Schüler in den jeweiligen Abgangsklassen schaffen und dies bei sich verändernden Anforderungen auf dem regionalen Ausbildungsmarkt der Zukunft - das wird die große Herausforderung für die nächsten drei bis fünf Jahre in unserer Region Kassel sein.“ Hierzu ist das neue Projekt der IHK Kassel ein weiterer deutlicher Meilenstein, die Marktakteure erfolgreich zusammenzuführen und die Drehscheibe Schule für diese neuen Anforderungen zu gewinnen. Die Berufsberater der Agentur werden diese neue Chance durch verdoppelte Präsenz in der Schule begleiten und diese gute Idee fachlich voll unterstützen.
„In die Arbeit des Berufswahlbüros fließen die bisherigen Erfahrungen der schulischen Berufsorientierung ein“, sagt Annette Westermann, Koordinatorin des Berufswahlbüros. Ein wesentliches Ziel der BuntStift GmbH Kassel besteht darin, benachteiligte Gesellschaftsgruppen durch berufliche und schulische Integration in betriebliche Strukturen zu führen.
Hintergrund: die Berufswahlbüros
Das Leitprojekt Berufswahlbüro der IHK-Initiative zur Verbesserung der Ausbildungsreife und Vertiefung der Berufsorientierung soll zumindest mit jeweils zwei Partnerschulen je Teilregion realisiert werden. Das Leitprojekt erreicht damit zum Start im Herbst 2011 insgesamt zwölf Schulen und im Kern deren Schüler der 7. und 8. Jahrgangsstufe. „Die Ansprache der Schulen ist durch individuelle Auswahl beziehungsweise Absprache oder ein Ausschreibungsverfahren erfolgt“, erklärt Claus-Peter Hartmann, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses der Region Kassel. Schulen müssen allerdings bestimmte Bedingungen erfüllen, um eine erfolgreiche und nachhaltige Umsetzung zu gewährleisten, unter anderem die Freistellung eines benannten Schulkoordinators (OloV) und ein langfristiges Bereitstellen der erforderlichen Räume. Die Gesamtkosten je Büro beziffert die IHK auf 15.000 Euro.
Weitere Projekte in den Jahren 2012 und 2013 sollen folgen. „Die Maßnahmen müssen einen unmittelbaren wirtschaftsförderlichen und mittelstandsorientierten Bezug haben“, verdeutlicht Hartmann. Auf regionaler Ebene haben die ehrenamtlich in der IHK engagierten Unternehmer verschiedene Konzeptvorschläge zur Verbesserung der Ausbildungsreife und Berufsorientierung erarbeitet beziehungsweise konkretisiert. Darunter fallen beispielsweise Berufsorientierungsbüros und Lernstätten sowie das Bilden von Praktikerteams. Allen Projektskizzen gemein ist die Notwendigkeit, verbindliche und nachhaltige Strukturen zur Vermittlung von effizienter Berufsorientierung in den Schulen zu schaffen beziehungsweise weiter zu fördern, in Fällen mangelnder Ausbildungsreife diese zu verbessern und damit verbundene Maßnahmen zu koordinieren – intern und gegebenenfalls mit externen Partnern.
Hintergrund: IHK-Initiative Ausbildungsreife und Berufsorientierung
Die IHK Kassel hat die Initiative zur Verbesserung der Ausbildungsreife und Vertiefung der Berufsorientierung ins Leben gerufen, um vor dem Hintergrund der demografischen Prognosen eigene Maßnahmen zu entwickeln, die dem Fachkräftemangel bei den IHK-zugehörigen Unternehmen möglichst früh entgegenwirken. „Die IHK Kassel sieht ihre wirtschaftspolitische Aufgabe als Vermittler zwischen den Bedürfnissen der Wirtschaft und der Bildungspolitik“, erläutert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Walter Lohmeier. „Die Verbesserung der Ausbildungsreife ist im Kern die Herausforderung an die Schulen selbst, wobei die Wirtschaft beziehungsweise ihre Organisationen unterstützende Strukturen fördern können.“ Das Verbessern der Berufsorientierung ist dagegen typische Aufgabe eines Übergangsmanagements zwischen Schule und Wirtschaft, die der unternehmerischen Wirtschaft auch eine unmittelbare Rolle zuweist.
Das Parlament der regionalen Wirtschaft, die IHK-Vollversammlung, hat das Projekt „IHK-Initiative Ausbildungsreife und Berufsorientierung“ für das Wirtschaftsjahr 2011 mit einem Fördervolumen von maximal 500.000 Euro einstimmig bewilligt. Das Gesamtbudget während der dreijährigen Projektlaufzeit beträgt 1,5 Millionen Euro. „Damit soll das Leitprojekt Berufswahlbüro in allen Teilregionen des IHK-Bezirks realisiert werden“, erklärt Lohmeier. Das Projekt könne auch um andere regionsspezifische Maßnahmen ergänzt werden.
Allgemeine Fragen zum Projekt?
Dr. Michael Ludwig
Projektbeauftragter
Tel. 05651 7449-56
E-Mail: ludwig@kassel.ihk.de