„Buntstift“- Rettung ist so gut wie sicher - HNA 28.12.2011

Mehrere ernsthafte Bewerber für das insolvente Unternehmen

Von Frank Thonicke

Kassel. Die 77 Mitarbeiter des insolventen gemeinnützigen Ausbildungsbetriebes „Buntstift“ müssen sich wohl nicht mehr lange Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen. Die Chancen, dass das Unternehmen gerettet wird, stehen offensichtlich sehr gut. Es gebe eine ganze Reihe „ernsthafter und ernst zu nehmender Interessenten“, die BuntStift übernehmen und weiterführen wollen. Das sagte gestern der Insolvenzverwalter Dr. Franz-Ludwig Danko auf Anfrage unserer Zeitung.

Nach HNA-Informationen handelt es sich um etwa ein halbes Dutzend Betriebe, die „Buntstift“ – die GmbH ist eine 100-prozentige Tochter des ebenfalls insolventen Arbeitskreises Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) – haben wollen. Einige sollen sich den Betrieb bereits angesehen haben. Um wen es sich bei den Interessenten handelt, wollte Danko nicht sagen. Man habe „Vertraulichkeit vereinbart“. Klar scheint aber zu sein, dass es bereits im Januar einen neuen Besitzer geben wird. Danko: „Ich blicke voller Optimismus voraus.“

Ein Unternehmen, das „Buntstift“ gern übernehmen würde, ist die Bfz-Logistik Art GmbH. Die Firma sitzt im Gebäude der Industrie- und Handelskammer in Kassel-Waldau und betreibt auch das Gebäude. Das Hauptgeschäft macht das elfköpfige Unternehmen mit der beruflichen Weiterbildung (alle kaufmännischen Berufe, Lagerlogistiker, Fachlageristen) und der Management-Schulung. Bfz-Geschäftsführer Joachim Stauzebach: „Uns ist sehr daran gelegen, dass die gesellschaftlich wichtige Arbeit der Buntstift GmbH fortgeführt wird.“ Ziel sei es auch, die 77 Arbeitsplätze zu erhalten. Man habe ein Konzept ausgearbeitet, das auch dem Insolvenzverwalter vorliege.

Die Bfz sei aber auch nicht traurig, wenn sie nicht den Zuschlag erhalten würde, sagt Stauzebach: „Wir freuen uns, dass es so viele Interessenten gibt. Wichtig vor allem ist die Rettung von Buntstift.“

Hintergrund, zum Tage

Das macht die Buntstift GmbH

Buntstift heißt Buntstift, weil früher die Auszubildenden „Stifte“ genannt wurden. Bei Buntstift bekommen junge Menschen, die es auf der Hauptschule nicht geschafft haben, einen Einblick ins Produktionsleben. Sie haben außerdem die Chance, den Hauptschulabschluss nachzuholen.

Buntstift unterhält Betriebe, vom Friseursalon bis zu Holzverarbeitung. Dort machen Menschen eine Ausbildung, die sonst keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben.

Außerdem hilft Buntstift Schülern beim Übergang ins Berufsleben, unterstützt Alleinerziehende in der Ausbildung und hilft Migranten, Deutsch besser zu beherrschen.

(mcj/tho)


Mit Jubel noch warten

Frank Thonicke über die Buntstift-Rettung

Die Kunde von der wohl fast sicheren Rettung mag den Mitarbeitern der BuntStift GmbH wie ein großes nachweihnachtliches Geschenk vorkommen. Und – vielleicht noch wichtiger – freuen dürfen sich auch alle, für die der Ausbildungsträger die letzte Hoffnung auf dem Weg ins Berufsleben ist.

Dass die Interessenten fast schon Schlange stehen, ist aber nicht deren Großzügigkeit, sondern der Arbeit von Buntstift zu verdanken. Es scheint sich zu lohnen, den Betrieb zu übernehmen. Die Bewerber sind keine mildtätigen Unternehmen, die mit weichem Herz eine soziale Heldentat vollbringen. Nein, sie wollen mit Buntstift Geld verdienen.

Das wird auch für den neuen Eigentümer nicht gerade leicht sein. Denn Buntstift finanziert sich letztlich aus öffentlichen Mitteln. Und da wird bei sozialen Ausgaben oft genug zu allererst der Rotstift angesetzt.

In einem solchen Klima dürfte es wohl auch nicht gerade einfach werden, alle Arbeitsplätze zu erhalten. Großartige Jubelarien scheinen damit noch verfrüht zu sein.

tho@hna.de

Trotz Pleite sind sie optimistisch - HNA 23.12.2011

Kennen Sorgen und zeigen Optimismus: die „Buntstift“-Mitarbeiter Eva del Coz (von links), Martin Mertens und Cristiano Weinkauf im „Laden 3“ an der Weserstraße, der Produkte aus den Werkstätten der „Buntstift“ und von Kooperationspartnern verkauft.

Ihr Lohn ist seit acht Jahren unverändert, Weihnachtsgeld hat es noch länger nicht gegeben: Die Mitarbeiter des gemeinnützigen Ausbildungsbetriebs „Buntstift“ wissen, dass ihre Firma kein Vermögen anhäuft. Nun ist das Kasseler Unternehmen insolvent. Die Mitarbeiter machen sich Sorgen um die Zukunft, verspüren aber auch viel Optimismus. „Natürlich gibt es eine Verunsicherung“, sagt Eva del Coz. Sie leitet mit Cristiano Weinkauf den kaufmännischen Bereich der GmbH, die eine 100-prozentige Tochter des ebenfalls insolventen Arbeitskreises Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) ist. Statt den Mut zu verlieren, seien die 77 Mitarbeiter sehr motiviert. „Wir wollen Investoren zeigen, was wir können“, sagt del Coz. Wenn Kooperationspartner und Geldgeber die Arbeit mit den Produktionsschülern und Auszubildenden loben, gebe das neuen Mut, sagt ihr Kollege Weinkauf.

Insgesamt 500 junge Menschen erhalten Leistungen von „Buntstift“. Er spreche mit ihnen über die Lage, sagt Weinkauf, „aber wir malen den Teufel nicht an die Wand“. Man müsse ihnen Zuversicht geben, dass der Betrieb weiterhin da ist. „Viele haben in ihrem Leben schon genug Verunsicherung“, sagt auch del Coz. Gehalt kaum verspätet Laura Koch beendet im Mai ihre Ausbildung zur Bürokauffrau. Die 20-Jährige hat mit vielen Azubis gesprochen. Sorgen? Fehlanzeige. „Wir rocken den Laden weiter“, sagt Koch. Über die Insolvenz werde gesprochen, aber bisher laufe tatsächlich alles wie gehabt. Selbst das Novembergehalt sei nur drei Tage verspätet eingegangen. „Da wurde sehr proDanfessionell gearbeitet“, sagt del Coz. Insolvenzverwalter Dr. Franz-Ludwig Danko hat mit der Agentur für Arbeit eine Vorfinanzierung des dreimonatigen Insolvenzgeldes vereinbart. Bis Ende Januar sind die Gehälter sicher.

Auch Martin Mertens macht sich Gedanken. Er ist für die Mittelanwerbung zuständig. Die Arbeit für Einrichtungen wie „Buntstift“ sei schwieriger geworden. Bei Ausschreibungen müsse die Firma immer günstiger werden. Die gute Lage am Lehrstellenmarkt mache gemeinnützigen Ausbildungsbetrieben Probleme: Die Bereitschaft sinke, Jugendlichen mit Lernproblemen die Ausbildung zu finanzieren. „Manchmal frage ich mich, warum jemand Interesse an uns haben soll“, sagt Mertens. Gespräche mit Investoren Aber das Interesse ist da. Laut Insolvenzverwalter Danko wurden bereits Gespräche mit möglichen Investoren geführt. „Und die waren sehr positiv“, bestätigt Mertens. Nur die Querelen um Reinhard M. nerven die Mitarbeiter.
Der Ex-Geschäftsführer soll sich auf Kosten von „Buntstift“ und AKGG bereichert haben. „Die Vorwürfe müssen geklärt werden“, sagt del Coz. Aber im Moment lenke die Diskussion nur von dem ab, was wichtig sei: den weiteren Betrieb sicherzustellen.

Hintergrund Das macht die „Buntstift“ GmbH Die „Buntstift“ GmbH (der Name bezieht sich auf die alte Bezeichnung „Stift“ für einen Lehrling) besteht seit 1983 und war 1992 die erste Produktionsschule Deutschlands. 20 der Produktionsschüler sind als 14- und 15- Jährige noch schulpflichtig, haben es aber an der Hauptschule nicht geschafft. Sie erhalten bei „Buntstift“ eine Qualifizierung, die sich gerade nicht am Schulunterricht orientiert, sondern einen Einblick ins Berufsleben bietet. Das gilt auch für die 44 Produktionsschüler im Alter bis Mitte 20, die als nicht ausbildungsfähig gelten. Alle haben die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss zu machen.

Ein weiteres Standbein sind die Betriebe, vom Friseursalon über die Mediengestaltung bis zur Holzverarbeitung. Dort machen Menschen eine Ausbildung, die auf dem Arbeitsmarkt keine Lehrstelle finden. Mit diesen Einrichtungen im Hintergrund bietet „Buntstift“ zahlreiche Projekte an Schulen und anderen Einrichtungen an: Sie helfen Schülern beim Übergang ins Berufsleben, unterstützen Alleinerziehende in der Ausbildung und fördern die Sprachkompetenz von Migranten.

Ahnatalschule ist Vorreiter - HNA 12.12.2011

Zufriedene Gesichter: Über den Startschuss des ersten Berufswahlbüros im Kreis freuten sich mit den Schülern Schulleiter Wolfgang Hartwig (vorn links) und Claus-Peter Hartmann, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses (rechts). Foto: Sommerlade

IHK eröffnete Berufswahlbüro im Kreis – Kontaktbörse für Schüler und Unternehmer
Von Martina Sommerlade


VELLMAR. Stühle schleppen, Wände dekorieren und Informationsmaterial auf den Tischen verteilen - noch bis zur letzten Minute hatten die Schüler der Klasse 9 b der Ahnatalschule Vellmar alle Hände voll zu tun. Doch dann war es so weit: Das Berufswahlbüro wurde in einer kleinen Feierstunde von Schulleiter Wolfgang Hartwig und Claus- Peter Hartmann, stellvertretender Vorsitzender des IHK Regionalausschusses der Region Kassel, eingeweiht.

Es ist das erste im Landkreis Kassel. Ab sofort kann das zentral gelegene Büro in der Vellmarer Schule von Schülern, Unternehmern, Vertretern von Wirtschaftsverbänden und Arbeitsagenturen genutzt werden. Das Leitprojekt der IHK hat das Ziel, den Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung zu verbessern. In dem neu errichteten Büro sollen Teams aus Ausbildern und Auszubildenden die Schüler beraten und Praktika vermitteln.

„Wir wollen einen Raum schaffen, der von allen Akteuren genutzt werden kann, die sich für die Verbesserung der Berufsorientierung einsetzen“, sagte Hartmann. Die Aufgaben des Büros werden durch die BuntStift GmbH Kassel wahrgenommen, Koordinatorin ist Annette Westermann. Unternehmen vor Ort Von diesem Büro profitieren sollen letztendlich alle Schüler, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Darüber hinaus Vertreter diverser Betriebe, die sich vor Ort präsentieren und mit potenziellen Berufsanfängern in Kontakt treten können. Als „ein wesentliches Mosaiksteinchen im Gesamtgefüge“ erachtete Schulleiter Wolfgang Hartwig das neu errichtete Büro.

Der Übergang von der Schule zum Beruf sei seit jeher ein wichtiger Entwicklungsschwerpunkt im Programm der Ahnatal-Schule. In den vergangenen Jahren habe es schon Berufsinformationstage, Besuche des Berufsinformationszentrums und intensives Bewerbertraining gegeben. „Wir fühlen uns daher in besonderem Maße verpflichtet, die Schüler auf den Übergang ins Berufsleben bestmöglich vorzubereiten“, betonte er. Die Einrichtung des Berufswahlbüros in der Ahnatalschule sei ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Das zweite Berufswahlbüro in der Region Kassel richtet
die IHK in der Carl-Schomburg-Schule Kassel ein.

 

Hintergrund

15 000 Euro kostet ein Büro Das Leitprojekt Berufswahlbüro der IHK-Initiative wird mit jeweils zwei Partnerschulen je Teilregion realisiert. Die Ahnatalschule Vellmar ist eine von zwölf Schulen im Einzugsgebiet der Industrie und Handelskammer Kassel. Ausgewählte Schulen müssen bestimmte Anforderungen erfüllen, um eine erfolgreiche und nachhaltige Umsetzung zu gewährleisten. Dazu gehören die Freistellung eines Schulkoordinators und ein langfristiges Bereitstellen der erforderlichen Räume. Die Gesamtkosten je Büro liegen laut IHK bei 15 000 Euro. (swe)

IHK-Initiative: Start an der Ahnatal-Schule in Vellmar - 08.12.2011

Berufswahlbüro macht Schüler fit für das Arbeitsleben

Es ist soweit: Ein Berufswahlbüro an der Ahnatal-Schule in Vellmar ist eingerichtet und kann ab sofort von Schülern, Unternehmern, Vertretern von Wirtschaftsverbänden sowie Arbeitsagenturen genutzt werden. Das Leitprojekt der Initiative zur Verbesserung der Ausbildungsreife und Vertiefung der Berufsorientierung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel hat das Ziel, den Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung nachhaltig zu verbessern. „Alle Maßnahmen sind komplementär zu den bestehenden, die in unterschiedlicher Intensität bereits in Partnerschaft von Schulen und Unternehmen etabliert worden sind“, berichtet Claus-Peter Hartmann, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses der Region Kassel, in dem sich Unternehmer aus Stadt und Landkreis ehrenamtlich engagieren. Die Aufgaben des Büros werden durch die BuntStift GmbH Kassel wahrgenommen: Koordinatorin ist Annette Westermann.

In den Berufswahlbüros sollen insbesondere Praktikerteams aus Ausbildern und Auszubildenden die jungen Menschen beraten sowie Betriebspraktika vermitteln. „Wir wollen im mehrfachen Sinne des Wortes einen Raum schaffen, der von allen Akteuren, die sich für die Verbesserung der Ausbildungsreife und der Berufsorientierung einsetzen, genutzt werden kann“, erklärt Hartmann, Geschäftsführer der Heinrich Lamparter Stahlbau GmbH & Co. KG in Kaufungen. „Über viele Gespräche mit den Schulen, den Unternehmen, den Arbeitsagenturen und den Unternehmerverbänden wissen wir, dass wir mit dieser Rahmeninfrastruktur auch die bereits laufenden Initiativen stärken.“

Das Berufswahlbüro ist sowohl ein physischer Raum als auch eine Dachmarke für ein Orientierungskonzept für Schülerinnen und Schüler mit Blick auf ihren beruflichen Weg. Das Büro selbst befindet sich an einer zentralen Stelle innerhalb der Schule. Das Besondere des Berufswahlbüros ist, dass nun eine Plattform gebildet wird für Schüler, Lehrer und Partner aus der Wirtschaft – mit dem Ziel, die Schüler mit Blick auf ihre Berufsorientierung zu beraten sowie gemeinsame Maßnahmen wie Projektwochen, Betriebserkundungen und Praktika zu vereinbaren. Bei Bedarf werden auch Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungsreife eingeleitet.

Das Leitprojekt Berufswahlbüro nimmt damit auch eine zentrale Koordinierungsfunktion bei den bereits angelaufenen OloV-Maßnahmen (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit bei der Schaffung und Besetzung von Ausbildungsplätzen in Hessen, kurz: OloV) wahr und fügt sich in die hessenweite Strategie ein. „Entscheidend ist, dass sich möglichst viele Akteure wie Arbeitsagenturen und Arbeitgeberverbände einbringen, damit eine große Angebotsvielfalt entsteht und das Büro eine wirkliche Drehscheibe wird“, unterstreicht Hartmann. Die regionalen OloV-Koordinatoren haben gegenüber der IHK einmütig festgestellt, dass bestehende Maßnahmen ausgebaut und um neue Instrumente ergänzt werden sollten, und dass vor allem – in Partnerschaft mit den Schulen – verlässliche und gut funktionierende Netzwerke der Beratung und Hilfestellung eingerichtet und effizient geführt werden sollten.

Die Agentur für Arbeit Kassel übernimmt eine fachliche Partnerschaft im Berufswahlbüro. Friedhelm Holl, Bereichsleiter bei der Agentur und zuständig für die Berufsberatung, nennt die Ziele: „Mehr Ausbildungsreife und die Kompetenz zur zielorientierten Berufswahl für möglichst alle Schülerinnen und Schüler in den jeweiligen Abgangsklassen schaffen und dies bei sich verändernden Anforderungen auf dem regionalen Ausbildungsmarkt der Zukunft - das wird die große Herausforderung für die nächsten drei bis fünf Jahre in unserer Region Kassel sein.“ Hierzu ist das neue Projekt der IHK Kassel ein weiterer deutlicher Meilenstein, die Marktakteure erfolgreich zusammenzuführen und die Drehscheibe Schule für diese neuen Anforderungen zu gewinnen. Die Berufsberater der Agentur werden diese neue Chance durch verdoppelte Präsenz in der Schule begleiten und diese gute Idee fachlich voll unterstützen. 

„In die Arbeit des Berufswahlbüros fließen die bisherigen Erfahrungen der schulischen Berufsorientierung ein“, sagt Annette Westermann, Koordinatorin des Berufswahlbüros. Ein wesentliches Ziel der BuntStift GmbH Kassel besteht darin, benachteiligte Gesellschaftsgruppen durch berufliche und schulische Integration in betriebliche Strukturen zu führen.    

Hintergrund: die Berufswahlbüros
Das Leitprojekt Berufswahlbüro der IHK-Initiative zur Verbesserung der Ausbildungsreife und Vertiefung der Berufsorientierung soll zumindest mit jeweils zwei Partnerschulen je Teilregion realisiert werden. Das Leitprojekt erreicht damit zum Start im Herbst 2011 insgesamt zwölf Schulen und im Kern deren Schüler der 7. und 8. Jahrgangsstufe. „Die Ansprache der Schulen ist durch individuelle Auswahl beziehungsweise Absprache oder ein Ausschreibungsverfahren erfolgt“, erklärt Claus-Peter Hartmann, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses der Region Kassel. Schulen müssen allerdings bestimmte Bedingungen erfüllen, um eine erfolgreiche und nachhaltige Umsetzung zu gewährleisten, unter anderem die Freistellung eines benannten Schulkoordinators (OloV) und ein langfristiges Bereitstellen der erforderlichen Räume. Die Gesamtkosten je Büro beziffert die IHK auf 15.000 Euro.

Weitere Projekte in den Jahren 2012 und 2013 sollen folgen. „Die Maßnahmen müssen einen unmittelbaren wirtschaftsförderlichen und mittelstandsorientierten Bezug haben“, verdeutlicht Hartmann. Auf regionaler Ebene haben die ehrenamtlich in der IHK engagierten Unternehmer verschiedene Konzeptvorschläge zur Verbesserung der Ausbildungsreife und Berufsorientierung erarbeitet beziehungsweise konkretisiert. Darunter fallen beispielsweise Berufsorientierungsbüros und Lernstätten sowie das Bilden von Praktikerteams. Allen Projektskizzen gemein ist die Notwendigkeit, verbindliche und nachhaltige Strukturen zur Vermittlung von effizienter Berufsorientierung in den Schulen zu schaffen beziehungsweise weiter zu fördern, in Fällen mangelnder Ausbildungsreife diese zu verbessern und damit verbundene Maßnahmen zu koordinieren – intern und gegebenenfalls mit externen Partnern.

Hintergrund: IHK-Initiative Ausbildungsreife und Berufsorientierung
Die IHK Kassel hat die Initiative zur Verbesserung der Ausbildungsreife und Vertiefung der Berufsorientierung ins Leben gerufen, um vor dem Hintergrund der demografischen Prognosen eigene Maßnahmen zu entwickeln, die dem Fachkräftemangel bei den IHK-zugehörigen Unternehmen möglichst früh entgegenwirken. „Die IHK Kassel sieht ihre wirtschaftspolitische Aufgabe als Vermittler zwischen den Bedürfnissen der Wirtschaft und der Bildungspolitik“, erläutert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Walter Lohmeier. „Die Verbesserung der Ausbildungsreife ist im Kern die Herausforderung an die Schulen selbst, wobei die Wirtschaft beziehungsweise ihre Organisationen unterstützende Strukturen fördern können.“ Das Verbessern der Berufsorientierung ist dagegen typische Aufgabe eines Übergangsmanagements zwischen Schule und Wirtschaft, die der unternehmerischen Wirtschaft auch eine unmittelbare Rolle zuweist.

Das Parlament der regionalen Wirtschaft, die IHK-Vollversammlung, hat das Projekt „IHK-Initiative Ausbildungsreife und Berufsorientierung“ für das Wirtschaftsjahr 2011 mit einem Fördervolumen von maximal 500.000 Euro einstimmig bewilligt. Das Gesamtbudget während der dreijährigen Projektlaufzeit beträgt 1,5 Millionen Euro. „Damit soll das Leitprojekt Berufswahlbüro in allen Teilregionen des IHK-Bezirks realisiert werden“, erklärt Lohmeier. Das Projekt könne auch um andere regionsspezifische Maßnahmen ergänzt werden.

Allgemeine Fragen zum Projekt?
Dr. Michael Ludwig
Projektbeauftragter
Tel. 05651 7449-56
E-Mail: ludwig@kassel.ihk.de

 

Insolvenzverwalter will BuntStift retten - ExtraTip 5.12.2011


Dr. Franz-Ludwig Danko von der Kanzlei Kübler.
Foto: Kanzlei Kübler/nH Kassel.

Der Unterrichts- und Ausbildungsbetrieb der „BuntStift gemeinnützige GmbH“ mit Sitz in Kassel geht auch nach der Insolvenzanmeldung weiter. Der vorläufige Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko von der bundesweit tätigen Kanzlei KÜBLER will den Ausbildungsträger fortführen und prüft derzeit die Sanierungsaussichten. Bei der BuntStift gGmbH werden zurzeit rund 150 Azubis und Produktionsschüler ausgebildet.

„Die Insolvenzanmeldung hat keine Auswirkungen auf den laufenden Betrieb“, betonte Danko. „Unterricht, Ausbildung und Beratungsangebote laufen ohne Einschränkungen weiter.“ Danko hatte sich bereits gestern umgehend vor Ort begeben und die Mitarbeiter, Azubis und Schüler informiert. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind bis Ende Januar 2012 über das Insolvenzgeld gesichert.

In den nächsten Tagen wird sich Danko mit seinem Team ein genaues Bild der wirtschaftlichen Situation machen, um die Sanierungsoptionen einschätzen zu können. Denkbar ist grundsätzlich eine Sanierung durch Übertragung an einen neuen Eigentümer oder über einen Insolvenzplan. Welcher Weg erfolgversprechend ist, wird sich erst im Zuge einer umfassenden Analyse in den kommenden Wochen zeigen. „Unser Hauptaugenmerk liegt jetzt zunächst darauf, den Unterrichts- und Ausbildungsbetrieb unverändert fortzusetzen und Planungssicherheit für die Schüler, Auszubildenden und deren Eltern zu schaffen“, so Danko.

Die BuntStift gGmbH hilft mit verschiedenen Ausbildungs- und Qualifizierungsangeboten sozial benachteiligten Gruppen bei der Integration in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt und beschäftigt 77 angestellte Mitarbeiter. Neben einem Ausbildungsbetrieb und einer Produktionsschule gehören auch Präventions-, Beratungs- und kulturelle Angebote zu den Leistungen des Bildungsträgers. Auftraggeber für die verschiedenen Projekte und Maßnahmen sind das Land Hessen, die Stadt Kassel, die Arbeitsagentur Kassel, das Jobcenter Kassel und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Gesellschafterin der BuntStift gGmbH ist die gemeinnützige AKGG GmbH, die am Mittwoch ebenfalls Insolvenz angemeldet hat. Infolge der AKGG-Insolvenz hat zurzeit auch die BuntStift gGmbH Schwierigkeiten mit der Projektfinanzierung.

Auch Buntstift ist pleite - HNA 03.12.2011

AKGG-Tochter hat Insolvenz angemeldet – 77 Mitarbeiter und 150 Azubis betroffen

 

Insolvenz läuft: Am Sitz der Buntstift gGmbH an der Holländischen Straße sind die Recycling-, Metall- und Holzwerkstätten sowie die Betriebsküche und das Dienstleistungsbüro angesiedelt. Foto: Konrad


Von Marcus Janz
KASSEL. Noch eine Pleite bei einer Kasseler Sozialeinrichtung: Am Freitag ist auch beim gemeinnützigen Ausbildungsbetrieb Buntstift das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet worden – nur drei Tage nach der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitskreises Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG). Er ist alleiniger Gesellschafter von Buntstift. Das Amtsgericht Kassel hat Franz-Ludwig Danko von der bundesweit tätigen Kanzlei Kübler zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt.

Betroffen sind 77 Mitarbeiter sowie die etwa 150 Auszubildenden und Produktionsschüler. Ihre Gehälter sind bis Ende Januar über das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur abgesichert. Wie vielen Gläubigern Buntstift Geld schuldet, steht noch nicht fest. Betrieb soll weiterlaufen Wie beim AKGG, dessen Insolvenz Rechtsanwalt Carsten Koch von Westhelle und Partner verwaltet, soll auch bei Buntstift der Betrieb nicht beeinträchtigt werden. „Unterricht, Ausbildung und Beratungsangebot laufen ohne Einschränkungen weiter“, teilte Danko mit. Er will sich nun ein genaues Bild von der Situation verschaffen.

Denkbar sei eine Sanierung durch Übertragung an einen neuen Eigentümer oder über einen Insolvenzplan. Noch am Mittwochabend hatten die Geschäftsführer des AKGG, Anja Marquardt, Robert Moos und Rut Wilcken, gegenüber der HNA erklärt, die Tochtergesellschaften seien nicht von der Insolvenz betroffen. Sie sind zugleich Geschäftsführer bei Buntstift.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Gericht bereits Danko als Gutachter beauftragt, die Lage zu prüfen. Am Donnerstag empfahl er dann, das vorläufige Insolvenzverfahren zu eröffnen. Das Amtsgericht schloss sich diesem Vorschlag gestern an. Wilcken beteuerte gestern auf Nachfrage, dass die beiden anderen AKGG-Töchter, das Psychosoziale Zentrum Schwalm-Eder-Nord und der Borkener Abgasanlagenhersteller Agatec wirtschaftlich sicher seien. „Daran wird sich auch nichts ändern“, sagte Wilcken.

Insolvenzverwalter Danko erklärte derweil, dass die Buntstift gGmbH wegen der AKGG-Insolvenz derzeit Schwierigkeiten mit der Projektfinanzierung habe. Jugenddezernentin Anne Janz sagte gestern, die Stadt werde alles tun, damit die Angebote weiterlaufen. Aber zunächst sei die Gesellschaft am Zug, und man müsse das Insolvenzverfahren abwarten. „Im Moment können wir nichts tun, außer unsere Bereitschaft zu bekräftigen, weiter mit der Gesellschaft zusammenzuarbeiten“, sagte Janz auf Anfrage.

 

Hintergrund

Integration in Arbeits- und Ausbildungsmarkt
Die Buntstift gGmbH hilft mit verschiedenen Ausbildungs und Qualifizierungsangeboten sozial benachteiligten Gruppen bei der Integration in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Die Gesellschaft beschäftigt 77 angestellte Mitarbeiter. Neben einem Ausbildungsbetrieb und einer Produktionsschule gehören auch Präventions-, Beratungs- und Kultur-Angebote zu den Leistungen des Bildungsträgers. Die Angebote richten sich an Jugendliche und junge Erwachsene aus der Region Kassel. Auftraggeber für verschiedene Projekte sind das Land Hessen , die Stadt Kassel, die Arbeitsagentur Kassel, das Jobcenter Kassel und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. (mkx)

Hauptschüler starten durch - HNA 09.07.2010



BuntStift

Kassel. 18 Teilnehmer der Produktionsschule BuntStift haben jetzt ihre Hauptschulabschlusszeugnisse bekommen. Einer ist Benjamin B. Schon in der 7. Klasse hatte er viele Fehlzeiten, keine Lust mehr auf Unterricht. "Ich fand Schule blöd und hatte keinen Bock, dahin zu gehen." Durch die Kooperation seiner Schule mit BuntStift erfuhr er von der Möglichkeit, seinen Schulabschluss auf anderem Weg, in der Produktionsschule, nachzumachen. Bei BuntStift hat Benjamin seine Defizite aufgeholt und den Hauptschulabschluss absolviert: mit drei Einsen im Zeugnis. "Ich hätte nicht geglaubt, dass ich das schaffe", sagt der 16-Jährige. Sowie zurzeit 47 Teilnehmer zwischen 14 und 22 Jahren hat er als Produktionsschüler erste berufliche Erfahrungen gasammelt. Er stellte fest, dass Elektriker nicht seinen Vorstellungen entsprach und wechselte in die Holzwerktatt. Jetzt hat er sich als Schreiner-Azubi beworben. "Unsere Schule ist ein Lernort, an dem Jugendliche Fuß fassen können", sagt Leiter Martin Mertens: "Ohne Klassenzimmer und Stundenplan, mit Aufgaben, an denen sie lernen, mit der Möglichkeit, Erfahrungen in acht Arbeitsbereichen zu machen." (chr) Infos: 0561/983 53 42

Zeugnisse

GEORG-BÜCHNER-SCHULE.
An der Georg-Büchner-Schule, Förderschule für Erziehungshilfe und Kranke in Trägerschaft des Arbeitskreises Gemeindenahe Gesundheitsversorgung, haben fünf Schüler die Schule mit einem Hauptschulabschluss verlassen, Die Schüler wurden zwei Jahre lang auf die Prüfung vorbereitet. Die Abgängerklasse der Hauptschüler bestand in diesem Jahr aus acht Schülern. Die drei, die nicht bestanden haben wechseln zur Produktionsschule BuntStift. "Wir freuen uns über Durchschnittsnoten zwischen 1,8 und 3", sagt Klassenlehrer Martin Heinze.

Trotz Kind leicht in den Job - HNA 18.2.2010

Neues Projekt für Alleinerziehende in der Kasseler Region ist schon fast ausgebucht

Gitte Goodman würde gern arbeiten, am liebsten in der Gastronomie oder einer Küche. „Ich möchte gern auf eigenen Füßen stehen“ sagt die 34-jährige Kasselerin, die auf Sozialleistungen angewiesen ist.
Doch für die junge Frau gibt es ein Hindernis auf dem Weg ins Arbeitsleben: Sie zieht drei Kinder groß. Das jüngste ist erst vier Jahre alt. Nachmittags habe sie niemanden, der auf ihren Sohn aufpasse. „Ich bin ganz allein auf mich angewiesen“, sagt sie.

Hoffnung auf einen Job

Seit einigen Wochen hat Goodman wieder Hoffnung. Denn sie wird nun beider Jobsuche vom Team des Netzwerk-Projekts AKfA unterstützt. Hinter der Abkürzung verbirgt sich ein bundesweites Programm zur Eingliederung von alleinerziehenden Müttern und Vätern ins Berufsleben: Sie erhalten Orientierung, ein individuelles Bewerbungstraining und Hilfe bei der Suche nach einem Praktikum, einer Ausbildungsstelle oder einem Arbeitsplatz. Die Betreuung ihrer Kinder wird im Rahmen des Projektes bei Bedarf sogar an den Wochenenden organisiert.

Freie Plätze sind begehrt


Der erste Durchgang des Projekts ist schon fast ausgebucht. Nur ein Platz ist noch frei. Unter der Regie der Ausbildungsgesellschaft Buntstift treffen sich die 49 Teilnehmer, darunter zwei junge Väter, zu Gruppenstunden und Einzelberatungen in den Räumen von AKfA in der Kaufburg. Die Kinder können sie mitbringen. Einen ersten Erfolg gibt es schon: Einer Teilnehmerin, gelernte Werbegestalterin, konnte ein Praktikumsplatz vermittelt werden.

Kassel braucht dringend ein passgenaues Angebot für alleinerziehende Jobsuchende: Mehr als 2000 von ihnen leben in der Fuldastadt. Knapp die Hälfte der Alleinerzieherhaushalte ist nach den Worten von Stadträtin Anne Janz (Grüne) auf Sozialleistungen angewiesen, das ist mehr als doppelt so häufig wie bei Elternpaar-Haushalten.

Es gebe noch zu viele Lücken im Unterstützungsnetz für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sagt Janz. Sie hofft, dass das Projekt auch für die Agentur für Arbeit dauerhafte Erkenntnisse bringt, wie Alleinerziehende schneller in die Arbeitswelt eingegliedert werden können.

BuntStift gewinnt Mathe-Preis

Juni, 2008

BuntStift hat am Wettbewerb Mathe erleben! zum Wissenschaftsjahr Mathematik 2008 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung teilgenommen. Das Projekt „Hilfe, mein Kind schreibt ein Mathebuch!“ wurde unter mehr als 400 Einsendern ausgewählt und erhielt einen Förderpreis in Höhe von 1.000 €.

ProduktionsschülerInnen/Azubis werden zu Autoren, forschen in ihren Arbeitsbereichen und im Alltag nach ganz praktischen oder total kreativen mathematischen Fragen, entwickeln eigene Aufgabenstellungen, recherchieren dazu, lösen sie und bereiten sie als Buchbeitrag auf. Eine Schülerredaktion rezensiert und wählt aus, in der Abteilung Mediengestaltung wird gestaltet, illustriert und für das Buch in Druck+Web geworben.

Am Buchprojekt wird kontinuierlich über ein Schul(halb)jahr gearbeitet. Wöchentlich finden je nach Förderbetrag für alle Beteiligten 1-3 Projektstunden in Kleingruppen statt.

Schüler der Kasseler Produktionsschule BuntStift sind produktionserfahren, sei es in der Holz-, Metall-, Elektro- und Recyclingwerkstatt, im Dienstleistungsbüro, in der Hauswirtschaft oder der Mediengestaltung. Dort wird täglich fleißig geschweißt, geschraubt, gehobelt, gedrechselt, repariert, gemessen, gestaltet, getextet, gezeichnet, gebucht, gekocht, geschält ...

Ansprechpartner: Martin Merten, Tel.: 0561 – 983 53 - 11

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