
Juni, 2008
BuntStift hat am Wettbewerb Mathe erleben! zum Wissenschaftsjahr Mathematik 2008 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung teilgenommen. Das Projekt „Hilfe, mein Kind schreibt ein Mathebuch!“ wurde unter mehr als 400 Einsendern ausgewählt und erhielt einen Förderpreis in Höhe von 1.000 €.
ProduktionsschülerInnen/Azubis werden zu Autoren, forschen in ihren Arbeitsbereichen und im Alltag nach ganz praktischen oder total kreativen mathematischen Fragen, entwickeln eigene Aufgabenstellungen, recherchieren dazu, lösen sie und bereiten sie als Buchbeitrag auf. Eine Schülerredaktion rezensiert und wählt aus, in der Abteilung Mediengestaltung wird gestaltet, illustriert und für das Buch in Druck+Web geworben.
Am Buchprojekt wird kontinuierlich über ein Schul(halb)jahr gearbeitet. Wöchentlich finden je nach Förderbetrag für alle Beteiligten 1-3 Projektstunden in Kleingruppen statt.
Schüler der Kasseler Produktionsschule BuntStift sind produktionserfahren, sei es in der Holz-, Metall-, Elektro- und Recyclingwerkstatt, im Dienstleistungsbüro, in der Hauswirtschaft oder der Mediengestaltung. Dort wird täglich fleißig geschweißt, geschraubt, gehobelt, gedrechselt, repariert, gemessen, gestaltet, getextet, gezeichnet, gebucht, gekocht, geschält ...
Ansprechpartner: Martin Merten, Tel.: 0561 – 983 53 - 11
Juni, 2008
Am 19.6.2008 um 10 Uhr werden elf jungen Teilnehmern und Teilnehmerinnen der Kasseler Produktionsschule BuntStift die Hauptschulabschlusszeugnisse überreicht.
Einer von ihnen ist Benjamin B. Schon in der 7. Klasse hatte er viele Fehlzeiten und keine Lust mehr auf Unterricht oder Hausaufgaben. „Ich fand Schule einfach nur blöd und hatte keinen Bock dahin zu gehen.“ Durch die Kooperation seiner Schule mit BuntStift erfuhr er von der Möglichkeit seinen Hauptschulabschluss auf einem anderen Weg - nämlich in der Produktionsschule - nachzumachen. Bei BuntStift hat Benjamin innerhalb eines Jahres seine schulischen Defizite aufgeholt und seinen Hauptschulabschluss absolviert - und das sogar mit drei Einsen im Zeugnis. „Das hätte ich letztes Jahr nicht geglaubt, dass ich das schaffe.“, so der 16Jährige heute bei der Abschlussfeier.
So wie momentan 39 Teilnehmer zwischen 15 und 22 Jahren hat B. als Produktionsschüler erste berufliche Erfahrungen sammeln können. Nach einigen Wochen stellte er fest, dass der Beruf des Elektrikers doch nicht seinen Vorstellungen entsprach und wechselte in die Holzwerkstatt von BuntStift. Mittlerweile gefällt ihm die Arbeit mit dem Material Holz so gut, dass er sich um einen Ausbildungsplatz als Schreiner beworben hat.
Warum hat der Schritt zum Hauptschulabschluss in der Produktionsschule BuntStift geklappt? „Unsere Produktionsschule ist ein Lernort, an dem die Jugendlichen erst einmal Fuß fassen können“, sagt Martin Mertens, BuntStift-Leiter. Ein Lernort ohne Klassenzimmer, ohne festen Stundenplan, aber mit Aufgaben, „an denen sie gut lernen können“ und mit der Möglichkeit, Berufserfahrungen in sieben Arbeitsbereichen zu machen: im Büro, der Metall-, Recycling- oder Holzwerkstatt, den Arbeitsfeldern Mediengestaltung, Elektro/Umwelt- und Gebäudedienstleistungen sowie Gastronomie/Hauswirtschaft.
Eine ähnliche Erfolgsgeschichte kann auch Vanessa S. erzählen.
In den letzten zwölf Monaten als Produktionsschülerin bei BuntStift hat sie erste berufliche Erfahrungen gesammelt und sich in ihrem Wunschberuf als Tischlerin weiterqualifiziert. Parallel dazu hat sie an den Unterrichtsangeboten der Produktionsschule teilgenommen und im Mai die Hauptschulabschlussprüfungen mit Erfolg absolviert. Auch bei Vanessa ist ein Ausbildungsplatz in Aussicht.
Gerade Jugendliche, die nicht wissen, wie es für sie beruflich weitergeht, erhalten in der Produktionsschule BuntStift die Möglichkeit, sich in unterschiedlichen Arbeitsfeldern betriebsnah auszuprobieren, einen strukturierenden Arbeitsalltag zu erleben und - falls sie noch keinen Schulabschluss haben - diesen nachzuholen.
„All dies sind wichtige Punkte, die die Motivation von Jugendlichen fördern. So entwickeln viele der Jugendlichen bei BuntStift schon nach kurzer Zeit erste berufliche Wünsche und Ziele“, bestätigt die Sozialpädagogin Sabine Wassmuth. Die Unterstützung der Produktionsschüler bei der Ausbildungsplatzsuche und der Bewerbung ist bei BuntStift selbstverständlich, „denn ein guter Übergang in die Arbeitswelt ist das vorrangige Ziel“, so Martin Mertens.
Ein Beginn in der Produktionsschule ist jederzeit möglich, sowohl für die Jugendlichen mit Hauptschulabschluss als auch für junge Erwachsene ohne Schulabschluss. Für interessierte Jugendliche, Eltern oder Schulen stehen Frau Bernhardt und Frau Wassmuth von BuntStift unter der Telefonnummer 49 19 08 - 17 und 49 19 08 – 11 zur Verfügung. Für schulpflichtige Jugendliche ist Frau Kul unter 49 19 08 70 zu erreichen.
Ansprechpartner: Martin Mertens, Tel.: 0561 - 983 53 - 11
Dezember, 2008
Von Sabine Oschmann
OBERZWEHREN. Sie bedienen schnell, freundlich, sehr aufmerksam und angenehm diskret. Im Hintergrund an der Theke, wo sie Getränke zubereiten, agiert das junge Personal bemerkenswert ruhig und professionell.
Kristina Manoun (19), Lyubov Hein (30), Ervin Lovett (21) und Theodor Zheodoridis (20) sind Auszubildende der Firma BuntStift in der Gaststätte Zum Lindenhof, und die Arbeit mach ihnen sichtlich Freude. Dabei ist ihr Leben bisher nicht fadengerade verlaufen. Alle vier hatten Probleme, einige auch Schwierigkeiten mit Arbeitgebern und Ausbildern. „Aber jetzt haben sie die Kurve gekriegt”, erklärt BuntStift-Ausbilderin Siiri Koslowski zuversichtlich. „Sie wollen lernen und ihrem Leben eine Perspektive geben.”
Das geht bei BuntStift. Der Betrieb ermöglicht jungen Leuten, die bisher noch nicht den Einstieg ins Berufsleben geschafft haben und besonders gefördert werden müssen, eine Ausbildung. Martin Mertens, der BuntStift 1983 gründete und Geschäftsführer Reinhard Mann stellten dem Ortsbeirat Oberzwehren, der im Ausbildungsbetrieb Lindenhof tagte, das Projekt vor.
Die jungen Leute können lernen in den Bereichen Metall und Elektro, Hauswirtschaft, Mediengestaltung, Holzwerkstatt und Bürokommunikation. Unterstützung kommt etwa von Jugendamt, der Arbeitsförderung Kassel und der Agentur für Arbeit sowie der Arbeitsförderung Landkreis Kassel. Die Inhalte der Ausbildung ergeben sich durch Projekte und Auftragsarbeiten von Kunden. „Damit lernen die jungen Leute den Beruf und seine Anforderungen direkt an der Praxis orientiert”, sagt Mann. „BuntStift will benachteiligte, oft ausländische Jugendliche durch berufliche und soziale Integration in den Arbeitsmarkt führen”, erklärt Mertens. Ortsbeiratsmitglied Friedhelm Weißbäcker (Bürgeriniative für Oberzwehren) befürchtet eine „second-class-Ausbildung”.
Deshalb sei die Vernetzung mit dem ersten Ausbildungsmarkt und die enge Zusammenarbeit mit Schulen und Firmen so wichtig. „Damit das klappt, müssen unsere Jugendlichen qualifizierte Arbeit leisten”, sagte Mann. Wer bei BuntStift lerne, sei hoch motiviert. Andererseits müssten aber auch Betriebe noch stärker bereit sein, auch schwierigen Jugendlichen eine Chance zu geben, die ja von BuntStift begleitet würden.
Informationen Tel. 0561 - 98353-0